Die Sprengkraft des Farbholzschnitts liegt nicht im Motiv, sondern in der Fläche. Genauer gesagt, in der Konzentration auf das Wesen der Fläche. Das Motiv sitzt sozusagen an der Peripherie, während in Wirklichkeit - streng phänomenologisch betrachtet - die Fläche in der eigentlichen Tiefe der Erscheinung wirkt. Aus der Begegnung von ineinander und übereinander gedruckten Flächen entsteht: Raum. Wenn ich Fläche sage, meine ich nichts Statisches, sondern komplexe Flächenvorgänge. Das Schwierige ist, diese das Ergebnis entscheidenden Vorgänge zunächst ohne Farbe zu denken. Der eigentliche Holzschneider schneidet nicht in Farben, sondern in Holz. Die Farbe kommt später. Es ist Bilderschneiden in einem Zwischenreich substantieller Potenz. Wer zu früh in Farben denkt, bleibt plakativ. Schneidet am Potential des Holzschnitts illustrativ vorbei. In keinem mir bekannten Lehrbuch findet sich eine Bemerkung über die außerordentliche Bedeutung dieser Tatsache. Alle meine Farbholzschnitte sind Versuche, die Konsequenz ineinandergreifender Flächen zu verstehen, bzw. aus der Entdeckung dieses Phänomens meinen Bildfunken zu schlagen.

Jeff Beer, April 2001

Text für die Ausstellung "Farbe - Holz - Schnitte" in der Stadtsparkasse Regensburg, April/Mai 2001

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Heads from the Fruitful Thoughts Cycle