Die Zeit - Feuilleton Nr. 53

Berlin: „Jeff Beer“:          

Die Aufwertung vordem unwürdiger Materialien zu gleichberechtigten Werkstoffen der Kunst ist wohl die folgenreichste Errungenschaft der Plastik unseres Jahrhunderts. An dessen Ende hat der Gebrauch von Eisen und Blech, Fundstücken und Schweißgeräten seine ästhetische Provokation fast gänzlich eingebüßt. Unbeschwert vom Zwang der Innovation, müsste das Spielerische in der Kunst nun eigentlich zu vollem Recht kommen; allein, hierzulande steht teutonischer Ernst unverrückbar hoch im Kurs. Jeff Beer, Oberpfälzer des Jahrgangs 1952, zeigt sich davon unberührt, schon in seinem ganzen, verschlungenen Werdegang, der die Anlagen zur Musik wie zur bildenden Kunst quer zu allem Spezialistentum gleichermaßen entwickelte. Nach Rockmusik, Kompositionsstudium, Zeichnungen, Multi-Media-Aktionen hat sich Beer erst seit dem vergangenen Jahr mit Eisenplastiken beschäftigt. Die erste Einzelausstellung dieser Arbeiten bei Skulima zeigt eine so verblüffend sichere Aneignung des neuen Mediums, dass das vielstrapazierte Picasso-Wort „Ich suche nicht, ich finde“ einem in den Sinn kommt. Beer jongliert mit den unterschiedlichen Bedeutungsebenen von meist schon zu „Natur“ abgelagerten, ehedem technisch genutzten Fundstücken, dem optischen Reichtum ihrer Neuzusammensetzung und der prägnanten Benennung, dass sich der Wortwitz und die eigentliche, plastische Dimension beinahe nie ins Gehege kommen. Natürlich sind Beers große Vorgänger schnell aufgezählt – nur spielt das keine Rolle, weil er ihre Errungenschaften mit sicherer Hand fortführt.
 

        Bernhard Schulz