Neue Presse Coburg , 20. Oktober 2005
JEFF BEER FASZINIERTE IN TAMBACH MIT SEINEM SCHLAGWERK

Rhythmisch unterwegs von Glocken und Sägeblatt bis Holzstab / In Tambach auch Fotos und Holzschnitte zu sehen
Von Sven Reuss


Gemälde, Bilder, Plastiken, Texte, Musik – das Werk des Jeff Beer steht für eine ganze Vielfalt an Chancen, sich künstlerisch mitzuteilen. Jeff Beer ist einer, dessen Begabung zu hoch ist, um in den Niederungen nur einer Disziplin zu verharren. Am Sonntag stellte sich der renommierte Allrounder im Jagd- und Fischereimuseum Schloss Tambach als Perkussionist mit eigenen Kompositionen für Schlaginstrumente vor. In gewählten Worten erläuterte er sein Werk, die Struktur der gespielten Stücke und wie er die Klangwirkung seines Instrumentariums erzielt. 
 

 

 

 

 

 

 

 


 Jeff Beer stellte in Tambach auf einem vielfältigen Schlagwerk seine Eigenkompositionen vor. Foto: REUSS)

 


Jeff Beer kommt aus der Oberpfalz. In Gumpen bei Falkenberg im Landkreis Tirschenreuth lebt er in einem alten Bauernhof. Hier, inmitten ländlichen Idylls, lässt Beer sich von der Muse küssen, lässt der 53-Jährige sich inspirieren und animieren – zumindest dann, wenn er nicht zu Konzerten und Vernissagen in New York, Paris oder Moskau weilt. Abgebildet ist das Schaffen auch in Fotografien, von denen der freischaffende Künstler einige ebenfalls in Schloss Tambach zeigt, und zwar noch bis zum 27. November in den Verkaufsausstellungen „Vom Wasser“, „Von Bäumen“ und „Unterwasserblätter“. Gezeigt werden auch großformatige Farbholzschnitte.
Gleichsam abstrakt wie in den Werken für das Auge bleibt der studierte Komponist, Perkussionist und Pianist auch in denen für das Ohr, jedenfalls in denen, die er am Sonntag in Tambach zur Begeisterung von etwa 50 Zuhörern präsentierte. Es waren nämlich beileibe nicht alltägliche Klänge und Klangfolgen, die der Schlagwerker in der Galerie des Museums mit Stöcken und Schlegeln oder Handballen und Fingern seinem Instrumentarium entlockte.
Wer wollte, konnte während des Hörens die Augen schließen und sich vor diese die Bilder „von Bäumen“ und „vom Wasser“ führen – konnte sich also in einer Wahrnehmung üben, die der Erfahrung Beers entspricht, nach der sich die Sparten der Kunst gegenseitig befruchten. Wer dies aber nicht wollte, brauchte es auch nicht: Beers musikalische Kompositionen sprechen für sich, bestehen auch für sich allein und sind als Solowerke auch gemacht.
„Rhythm, Sound and Silence“, so hat Beer das Programm genannt. Und wie es der Titel schon vermuten lässt, geht es rhythmisch zur Sache, bald schrill und geräuschvoll und bald wieder so leise, dass man im Publikum sich kaum zu rühren traut. Das geht durch Mark und Bein, regt auf und besänftigt das Gemüt sogleich – gräbt sich wieder in den Magen und lässt das Herz schnell und wieder langsam schlagen. Es ist die Wahl des Schlagzeugs und die Intensität und das Tempo der Schläge, mit denen der Virtuose das Empfinden im Auditorium beeinflussen kann, ja bisweilen zu steuern vermag. Meditativ wirkt das Ganze oft.
Beer beginnt das Konzert in einer Miniatur für vier Almglocken. „Sylvia Atricapilla“ hat er das dreiminütige Stück genannt. Es ist die Bezeichnung der Mönchsgrasmücke, also des „wunderbaren Vogels“, dessen Gesang den Musiker einst eine kleine Schaffenskrise zu überwinden half.
Es folgt „Mira III“, ein Stück von gut 20 Minuten Dauer im Elf-Achtel-Takt für Marimbaphon solo, ein dem Xylo- oder dem Vibraphon ähnliches Instrument mit Plättchen aus Holz und nicht Metall. Geradezu rasant ist jetzt das Spiel, das Wirbeln der Stöcke mit bloßem Auge nicht mehr zu verfolgen. Weil die auf Dauer bewusst monotone Musik aber umso weniger erregt, je länger sie währt, ist es ein Zustand nahe der Trance, in den der, der will, verfallen mag.
Ein ebenfalls längeres Stück ist „Warka“, nämlich eines für Große Trommel solo. Jeff Beer legt sich voll auch körperlich ins Zeug, erst ein kräftiges Pusten markiert das Ende eines Auftritts, der wahrhaft Arbeit ist.
Die ganze Komplexität des perkussiven Musizierens entfaltet Beer auch nach der Pause. Im Stehen tritt er nun auf, weil sitzend er mangels Reichweite keine Chance hätte, hier auf Gongs zu schlagen und dort auf Dinge wie Stahlfedern, Stangen, Bleche und Blätter aus Kreissägen. Als großes Schlaginstrumentarium bezeichnet der Künstler selbst das auf seine Vorstellungen abgestimmte Gerät. In der Kulisse der Bühne hängt es in übermannshohen Rahmen herab. Beer bedient die Sachen mal sanft und zart, beinahe feierlich, sogleich aber wieder wie entfesselt und zügellos: Wehe dem, der in ruhigen Phasen ohne Ahnung dessen, was noch kommen mag, bedächtig lauscht.
Zu Ende geht das Set mit „DUN“, einem Stück für afrikanische Djembe solo, eine kelchförmige, früher mit Antilopen- und heute meist mit Ziegenhaut bespannte Trommel, deren Korpus aus einem ausgehöhlten Baumstamm besteht.