Der Neue Tag, 27. Oktober 2004

Von Paris bis Moskau: Der Oberpfälzer Künstler Jeff Beer ist
zunehmend im Ausland gefragt


Von Anastasia Poscharsky-Ziegler

Mitterteich. Seit dem letzten Septembersamstag gibt es mitten in Mitterteich das "Kunstzentrum Jeff Beer ". Noch kurz vor dessen Eröffnung war der multitalentierte Oberpfälzer in Paris, um in der Cité Universitaire im "Maison de Brézil" vor 250 Zuhörern ein Solo-Percussionskonzert und eine Präsentation einer Auswahl seiner Eisenplastiken zu geben. Mitte Oktober galt es, in der Regensburger Weinschenkvilla den Bezirks-Kulturpreis 2004 für Bildhauerei entgegenzunehmen.

Alle Sparten der Kunst

Doch der " Homo ludens ", der in allen Sparten der Kunst als Maler, Musiker, Fotograf und Bildhauer "hinter die Fassade der Dinge schaut", so Bezirksheimatpfleger Dr. Franz Xaver Scheuerer in seiner Laudatio, ruht sich nicht aus: zu Allerheiligen wird im Kunstzentrum (am 30., 31. Oktober und 1. November von 14 bis 18 Uhr) innerhalb der Eröffnungspräsentation "Best of Jeff Beer " die Sonderausstellung "Et exspecto" gezeigt. Die Resonanz auf das Kunstzentrum ist groß: nicht nur aus weitem Umkreis der Region, auch aus Österreich fahren die Busse in der Bachstraße 9 vor.

Mit dem Gründer des Kunstzentrums, dem jungen Mitterteicher Verleger Klemens Reif, ist sich der Künstler einig, dass keine festen, sich immer wiederholenden Rituale die Aktivitäten im Kunstzentrum bestimmen werden. "Es gibt Neues, wenn's was Neues gibt, und es wird immer überraschend anders sein" kündigt Beer an.

Seit seiner ersten beruflichen Moskaureise vor vier Jahren, und seinem Gastspiel 2003, als Jeff Beer im Rachmaninow Saal des Moskauer Konservatoriums eine Fotografie-Ausstellung samt Konzert anbot, finden sich immer mehr Internetseiten in kyrillischer Schrift. Und das Interesse der Russen an Jeff Beer wächst weiter: Beispielsweise übersetzte Dr. Larissa Polubojarinowa von der Universität St. Petersburg im Auftrag der Alexander-von-Humboldt-Stiftung biographische Skizzen von Jeff Beer für die Zeitschrift "Brechungen". Auch sein Poem im Dokumentationsband zur preisgekrönten Sanierung (BDA-Preis Bayern 2003) des "Würzburger Kulturspeichers" im Alten Hafen durch das Tirschenreuther Architekturbüro Brückner & Brückner, wird gerade ins Russische übertragen. Nicht jeder weiß, dass Beer schon seit Ende der Siebziger Jahre schreibt: Erst zu seinem fünfzigsten Geburtstag vor zwei Jahren hielt er im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg mit Lyrik und autobiographischen Texten seine erste Lesung, bald darauf gefolgt von einer zweiten im Eisenwerk der Maxhütte.
Nun, in der letzten Novemberwoche wird Beer an der Janacek Musikakademie im tschechischen Brno (Brünn) an einer mehrtägigen "Konferenz zu Fragen zeitgenössischer Musik" teilnehmen. Auf Einladung von Professor Ivo Medek stehen drei Vorträge auf Englisch und ein Solokonzert an. Beer plant, wie bei der Eröffnung seines Kunstzentrums den bearbeiteten Satz "Sylvia Atricapilla" aus seiner zwölfsätzigen Komposition für Schlagwerk "Quadrolog" (uraufgeführt bei den Weidener Max-Reger-Tagen 2003) zu geben.

Botschafter der Kulturen

Das Jahr 2005 wird für den Oberpfälzer Künstler in St. Petersburg mit einer Einladung durch Dr. Ralf Eppeneder vom dortigen Goethe-Institut beginnen, der schon diesen Herbst Beers Kulturzentrum besichtigt hat. Beer soll in der russischen Metropole als Kulturbotschafter Deutschlands in seiner ganzen Vielseitigkeit präsentiert werden. Zudem steht das kommende Jahr für den Bildhauer Beer unter dem Stern des Jubiläums "Zwanzig Jahre Arbeit in Eisenplastiken" an. Das Werk Nr. 1, die "Sich Kämmende", entstanden im März 1985, ist auch im Ausstellungskatalog von Beers erster Mitterteicher Präsentation enthalten, ging 1987 zur Ausstellung in die Madison Avenue, New York und wurde von dort an die bedeutende Sammlung Sklar verkauft.