Der Neue Tag, 25. Oktober 2005

Künstlergespräch mit Jeff Beer im Rahmen seiner Ausstellung "Vom Wasser"
Von Andrea Prölß

Tirschenreuth. "Könntest du so ein Foto spielen?" Jeff Beer wäre nicht Jeff Beer, wenn er sich darüber nicht schon Gedanken gemacht hätte. Wellenbewegungen seiner "Wasser"-Fotografien in ein Partitursystem eingezeichnet, schlängelnde Klangfarbenfelder, die scheinbar nur darauf warten, aufgeführt zu werden.

Und damit ist zu rechnen. Denn Multitalent Jeff Beer beherrscht das Spiel mit Formen Sparten übergreifend. Ob als Musiker oder bildender Künstler, sein feiner Blick für Strukturen ist verbindendes Moment. Über das strukturelle Denken und Sehen in der Kunst, darüber könnte Jeff Beer viel erzählen.
Und das tat er denn auch. Man traf sich im Fischerei-Museum Tirschenreuth, wo seit Ende September seine Foto-Ausstellung "Vom Wasser" zu sehen ist. Im Rahmen eines Künstlergesprächs zusammen mit Dr. Martin Angerer, Leiter der Museen der Stadt Regensburg, reflektierte er an diesem Abend nicht nur über seine Kunstanschauung, sondern gab auch Auskunft über Vita und künstlerischen Werdegang. Über erste Momente der Kunsterfahrung in der Alten Pinakothek in München bis hin zu seinen Aufstieg als international gefragter Künstler. Aber: "Ich mag keine Eitelkeiten." Und so wandte sich Jeff Beer schnell wieder dem zu, was sein Leben ausmacht, der Kunst.
Eigentlich wollte er in diesem Jahr 20 Jahre Eisenplastiken feiern, aber er hat einfach "zu viel gemalt". Dabei ist in seinen Zeichnungen, so Dr. Angerer, stets der Schritt ins Dreidimensionale, ins Plastische schon angelegt. Ein Abtasten, ein Sichhineinfühlen, das auf die plastische Umsetzung wartet. Ein "Ineinanderfließen der Künste", das Jeff Beer nicht nur aktiv praktiziert, sondern auch fasziniert beobachtet. Die Entdeckung, dass frühere Farbholzschnitte mit den Formstrukturen seiner "Wasser"-Fotografien korrespondieren, bestätigt sein Sparten übergreifendes Denken und Arbeiten. Seine "Wasser"-Studien, klassische Fotografien ohne nachträgliche Bildbearbeitung, ein faszinierendes Spiel mit unzählig variablen, von der Natur gegebenen Strukturen. Von Jeff Beer eingefangen, zu "zweckloser" Schönheit erhöht - und vielleicht demnächst vertont.

Die Ausstellung "Vom Wasser" ist noch bis 5. November im Fischereimuseum Tirschenreuth zu sehen (Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr).